Stohead by Nils MuellerStohead by Nils Mueller
photo credits: Nils Mueller 
 
STOHEAD
 
Im Werk von Stohead zeigt sich mit aller Deutlichkeit seine große Leidenschaft – die Schrift. Schrift ist Trägerin von Information, Schrift erlaubt es, Gedanken und Gefühle in eine Form zu bannen und zu bewahren, Schrift kann ästhetisches Meisterwerk sein, wenn sie zur Kalligrafie wird. Und hier verknüpft Stohead das, was ihn prägt, mit dem, was ihn bewegt: the code of the streets.

Extrahierte Lyrics, Passagen aus Songtexten und Schlagworte aktueller gesellschaftlicher Themen werden vom Künstler oft mathematisch aufgeschlüsselt und geordnet. Diese kalligrafischen Anordnungen von bis zur Abstraktion überzeichneten Buchstaben entziehen sich auf den ersten Blick der Lesbarkeit und lassen den ungeübten Betrachter zunächst mit der Wirkung von Farbe und Form allein: in einhämmernder Wiederholung als Muster kompromisslos aneinandergereiht oder skulptural in eine dreidimensionale Betrachtungsebene überführt. Im meditativen Arbeitsprozess wird der seelische Bogen gespannt, dessen gespeicherte Kraft sich dann physisch und in wilder Entschlossenheit auf dem Malgrund entlädt. Die großformatigen Darstellungen, die dem scheinbar Ungeordneten eine Struktur geben, transportieren diese Energie besonders eindringlich und übertragen sie visuell auf den Betrachter, dessen Blicke in den „Wortstürmen“ mitgerissen werden.
Zwar werden die Inhalte von Stohead in erster Linie ästhetisch verbildlicht, doch aufgrund des transportierenden Mediums Schrift motivieren sie zur Dechiffrierung. Wagt sich der Betrachter daran, den Code zu entschlüsseln, gibt dieser subtile Hinweise auf sozialkritische Themen und die poetische Auseinandersetzung mit unserem Weltgeschehen. Die oft aggressive Schreibweise der Kalligrafien symbolisiert dabei auch Desillusioniertheit und Wut, Gefühle einer Generation, die sich in einer schnelllebigen, hochtechnisierten und reizüberfluteten Welt immer öfter der Frage gegenübergestellt sieht, woran sie sich orientieren kann.

Zitate der vielschichtig agierenden Protagonisten aus der Hip Hop- und Punkkultur und ihr Wortschatz des urban dictionary sind für Stohead ebenfalls Material und Quelle für seine Arbeiten und spiegeln so seine Herkunft und die Einflüsse auf den Künstler.
Wie bei von Zeitzeugen bildlich festgehaltenen Ereignissen sieht sich Stohead als Geschichtsschreiber der Kultur, die ihn hervorbrachte. Damit sichert er den Verfassern der Inhalte seiner Schriftbilder einen Platz in der Geschichte jenseits der Körperlosigkeit digitaler Festplatten.

Stohead (*1973) lebt und arbeitet in Berlin.



Stohead started tagging and painting his first pieces in 1989. As a classic graffiti writer he lived in various cities all over the world with a longer stay in Hamburg. In 1999 he joined the artist group "getting-up" with who he realised some of the biggest graffiti murals and exhibitions in the early stages of the new century. At that time he also started his studio work which brought him to work as a gallery artist and freelance illustrator. Stohead’ s art refers to a very puristic form of graffiti, tagging and throw ups. As a highly visible writing form on walls in most urban surroundings for the artist graffiti writing represents a strongly influential form of contemporary calligraphy. His latest works are martial typographic textpatterns of lyrics by rap artists and punkrock bands he grew up with. They often transport sociocritical content as abstract interpretations.

Stohead (*1973) lives and works in Berlin.