Julian Schnabel

Graphic Works

September 14 until November 11, 2017

Opening: September 13, 18 – 21

Wir freuen uns, die Einzelausstellung Childhood. Works on Paper von Julian Schnabel ankündigen zu dürfen. Anlässlich der diesjährigen Berlin Art Week präsentiert Circle Culture Arbeiten auf Papier des US-amerikanischen Künstlers und Filmemachers; der Bildzyklus Childhood umfasst dabei die ersten grafischen Werke des Künstlers seit über 18 Jahren. Die zweiteilige Ausstellung wird in den Galerieräumen von Circle Culture, Gipsstraße 11 und im Hotel de Rome Berlin, La Banca Restaurant & Bar zu sehen sein und an zwei Abenden während der Art Week eröffnet.

Kennzeichnend für Julian Schnabels neoexpressionistisches Werk ist das freie Experimentieren mit verschiedenen Materialien, Techniken und auch Zitaten. Seine komplexen Übermalungen zeichnen sich durch assoziative, 
enzyklopädisch anmutende Bilderwelten aus, die Schnabel entlehnt und künstlerisch verfremdet. Ergebnis sind intertextuell eingebettete Kunstwerke mit betont offenem Charakter. Oftmals erzählen sie vom Verborgenen, Fragmentarischen und doch scheinbar Allzusammenhängendem und bewegen sich dabei mit einer gestalterisch expressiven Intensität auf der Ebene des Emotionalen und Irrationalen.

Mit Childhood hat Julian Schnabel eine einzigartige Werkreihe zum Thema der Amerikanischen Unabhängigkeit geschaffen, der sich mit der Geburtsstunde der Vereinigten Staaten auseinandersetzt. Die in den Grafiken abgebildete Schlachtszene ist dem American Revolution Wallpaper entnommen, jener berühmten Tapete aus dem Jahr 1834, die über die Kennedys 1961 in das Weiße Haus gelangte. Die Szene zeigt den harterkämpften Sieg der amerikanischen Kontinentalarmee bei Yorktown und 
vergegenwärtigt den Moment der Entwaffnung des britischen Generals Lord Cornwallis, der als Zeichen der militärischen Niederlage seinen Degen George Washington und Comte de Rochambeau übergibt.

Aufgrund der hohen Beteiligung von über 5.000 deutsche Soldaten, wovon mehr als die Hälfte unter George Washington für die Freiheit und Unabhängigkeit der United Colonies gekämpft haben, wird diese Schlacht auch als Deutsche Schlacht bezeichnet. Damit weist das gewählte Bildzitat auch auf die seit über 240 Jahre bestehenden, diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA hin, die in der historischen Figur des Barons von Steuben zum Ausdruck kommt. Als rechte Hand George Washingtons hat der gebürtige Magdeburger die amerikanische Kontinentalarmee nach preußischem Vorbild reorganisiert und damit entscheidend zum Sieg beigetragen. Bis heute wird er sowohl in den USA als auch hierzulande als Held des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges verehrt und auch in Schnabels Grafiken gewürdigt.

Der Abriss des Wallpaper aus dem Weißen Haus in den 1990er Jahren wird von Schnabel in Form eines herausgeschnittenen Fragments thematisiert, das eine zweite, nicht gegenständliche Bildebene im Bild offenbart. In kräftigem bis sphärischem Violett getaucht, begeistern die Grafiken mit einem hohen Maß an Expressivität, wie sie für Schnabels Werke kennzeichnend ist. Die ausdrucksstarke, nebulös wirkende Violettfärbung, die durch Wässerung von Tinte hervorgerufen wird, verleiht den Bildern eine gestische Emotionalität.


Dass Schnabel eine Vorliebe für das Poetische hat, wird nicht nur in seinen preisgekrönten Filmen deutlich, sondern auch in seiner neusten Grafikserie Walt Whitman (2016), in denen er sich dem gleichnamigen 
amerikanischen Dichter und Pantheisten widmet. Dessen Gedichte über den amerikanischen Bürgerkrieg zählen bis heute zu den einflussreichsten literarischen Werken der USA und zeichnen sich durch eine demokratische sowie natur- und volksverbundene Geisteshaltung aus. Whitman, der als einer der Begründer der modernen amerikanischen Lyrik gilt, weist darüber hinaus eine Nähe zum Transzendentalismus auf, der in Schnabels Hommage an ihn ebenso künstlerisch zum Ausdruck kommt wie seine Naturverbundenheit. Die großformatigen Grafiken zeigen die gestisch-expressive Übermalung eines zitierten Baummotivs, mit dem Schnabel erneut auf das American Revolution Wallpaper Bezug nimmt.

Die Werke von Julian Schnabel (*1951 in New York City) sind in bedeutenden Sammlungen auf der ganzen Welt vertreten, u.a. im Museum of Modern Art, New York; Whitney Museum of American Art, New York; Guggenheim Museum, New York und Bilbao; Centre Georges Pompidou, Paris. Seine Werke waren Gegenstand von Einzelausstellungen in Institutionen wie Kunsthalle Basel; Mary Boone Gallery, New York; Leo Castelli Gallery, New York; Stedelijk Museum, Amsterdam; Kunsthalle Düsseldorf; Whitney Museum of American Art, New York; The Pace Gallery, New York; Fundació Joan Miró, Barcelona; Gagosian Gallery, New York; Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid; Museu de Arte de Sao Paolo.